Rebsorte

Diolinoir

Diolinoir: die Walliser Neuzüchtung aus Robin Noir und Pinot Noir, 1970 in Changins gekreuzt. Tiefdunkel, tanninreich, Farbgeber in Assemblagen.

Farbe
Rot
Abstammung
Robin Noir (Rouge de Diolly) × Pinot Noir, 1970 von André Jaquinet in Changins gekreuzt
Anbau in der Schweiz
Rund 125 Hektaren, gut drei Viertel davon im Wallis
Typische Aromen
Brombeere, schwarze Kirsche, Veilchen, Gewürze
Klassische Kombination
Wild, Schmorbraten, gereifter Walliser Käse
Synonym
Dioli Noir; Zuchtnummer Pully 4-42

Diolinoir klingt wie eine uralte Walliser Sorte, ist aber eine der jüngsten. 1970 kreuzte André Jaquinet an der eidgenössischen Forschungsanstalt Changins, deren Rebzüchtung damals in Pully arbeitete, den Pinot Noir mit dem Robin Noir, einer Sorte unklarer Herkunft, die in den 1920er-Jahren in der Rebsammlung von Diolly oberhalb von Sion auffiel und im Wallis seither Rouge de Diolly heisst. Aus beiden Namen setzt sich Diolinoir zusammen. Das Ziel war eindeutig: ein Pinot-ähnlicher Wein mit viel mehr Farbe. Die Zuchtnummer Pully 4-42 verrät die Herkunft aus derselben Werkstatt, in der im selben Jahr auch Gamaret und Garanoir entstanden.

Heute stehen rund 125 Hektaren Diolinoir in der Schweiz, gut drei Viertel davon im Wallis, wo die Sorte knapp 100 Hektaren belegt und zu den wichtigsten roten Spezialitäten zählt. Kleinere Flächen gibt es in der Waadt und in der Deutschschweiz. Die Rebe ist mittelstark im Wuchs, gut gegen Fäulnis gewappnet und reift etwa gleichzeitig mit Pinot Noir und Gamay, was sie für die Walliser Winzer unkompliziert macht.

Im Glas ist Diolinoir fast schwarz, mit violetten Reflexen. Brombeere, schwarze Kirsche, Veilchen und Gewürze prägen die Nase, am Gaumen zeigen sich dichte, feste Tannine und eine lebhafte Frische. Seine klassische Rolle ist die des Farb- und Strukturgebers in Assemblagen: Ein kleiner Anteil Diolinoir macht aus einem hellen Walliser Pinot Noir oder einer Cuvée mit Gamay und Syrah einen tiefdunklen, kräftigen Rotwein. Immer mehr Betriebe füllen ihn aber auch reinsortig ab, meist nach Ausbau im Barrique, wo seine Tannine rund werden; solche Weine halten gut fünf bis acht Jahre. Daneben gibt es Diolinoir als Rosé, dem die Sorte eine kräftige Farbe verleiht.

Zum Essen passt Diolinoir zu Wild und allem, was lange geschmort hat: Hirschpfeffer, Schmorbraten, Lammragout, dazu gereifter Walliser Raclettekäse oder ein Stück Bergkäse. Zu einem Dessert mit dunkler Schokolade oder roten Beeren kann er ebenfalls bestehen. Serviert wird er bei 16 bis 18 Grad, und ein junger Diolinoir verträgt eine Stunde in der Karaffe.

Wer die Sorte sucht, wird im Wallis zwischen Martigny, Chamoson, Sion und Sierre fündig, wo viele Betriebe sie als Spezialität neben Cornalin und Humagne Rouge führen. Für Trinker, die Pinot Noir mögen, aber mehr Farbe und Druck suchen, ist Diolinoir ein lohnender Schritt, und ein Beispiel dafür, dass eine Neuzüchtung ein Terroir ebenso gut abbilden kann wie eine alte Sorte.

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