Rebsorte
Garanoir
Garanoir: der weichere Bruder des Gamaret, 1970 in Changins aus Gamay und Reichensteiner gezüchtet. Fruchtig, farbintensiv, oft in Assemblagen.
- Farbe
- Rot
- Abstammung
- Gamay × Reichensteiner, 1970 von André Jaquinet und Dominique Maigre in Changins gekreuzt
- Anbau in der Schweiz
- Rund 220 Hektaren, mehr als die Hälfte davon in der Waadt
- Typische Aromen
- Kirsche, rote und schwarze Beeren, milde Gewürze
- Klassische Kombination
- Grilladen, Charcuterie, Käseplatte
- Geschwister
- Gamaret und Mara, aus derselben Kreuzung
Garanoir ist der Zwilling des Gamaret: Beide entstanden 1970 aus derselben Kreuzung von Gamay und Reichensteiner, die André Jaquinet und Dominique Maigre an der eidgenössischen Forschungsanstalt Changins durchführten, damals mit Sitz der Rebzüchtung in Pully. Aus den Sämlingen wurden zwei Sorten ausgelesen: Gamaret, der kräftigere, für die Westschweiz, und Garanoir, der weichere und frühere, der ursprünglich für die Deutschschweiz gedacht war. Beide kamen 1990 in den Handel. Die Geschichte verlief dann anders als geplant: Garanoir fand seine Heimat nicht im Norden, sondern wie sein Bruder in der Romandie.
Rund 220 Hektaren Garanoir stehen heute in der Schweiz, mehr als die Hälfte davon in der Waadt, gut ein Fünftel in Genf, der Rest im Wallis, im Drei-Seen-Land und in der Deutschschweiz. Die Sorte reift noch früher als Gamaret, ist sehr widerstandsfähig gegen Graufäule und liefert zuverlässig reife, dunkle Trauben. Für Winzer an kühleren Lagen ist das ein Vorteil, der sich in Jahren mit feuchtem Herbst auszahlt.
Im Glas ist Garanoir farbintensiv, aber zugänglicher als Gamaret: weniger Tannin, weniger Pfeffer, dafür mehr Frucht. Kirsche, rote und schwarze Beeren und milde Gewürze prägen die Nase, der Gaumen ist rund, geschmeidig und mittelschwer. Weil er so gefällig ist, wird Garanoir meist jung getrunken und seltener im Holz ausgebaut. In der Waadt und in Genf ist er der bevorzugte Partner in Assemblagen, wo er dem Gamaret die Ecken nimmt und dem Gamay Farbe verleiht; die klassische Gamaret-Garanoir-Cuvée ist in vielen Dorfkellern der Hauswein zum Alltag.
Zum Essen ist Garanoir ein unkomplizierter Begleiter: Grilladen, eine Platte mit Trockenwurst und Schinken, ein Käsebrett oder ein Teller Pasta mit Tomatensauce. Serviert wird er leicht gekühlt bei 15 bis 17 Grad; an warmen Sommerabenden darf er auch kühler sein.
Wer die Sorte reinsortig probieren will, wird am ehesten in Genf, an der La Côte und im Chablais fündig, wo einige Betriebe ihren Garanoir als eigenständigen, saftigen Rotwein ausbauen. Im Wallis spielt er neben Gamaret und Pinot Noir eine Nebenrolle. Ausserhalb der Schweiz wird er praktisch nicht angebaut, was ihn zu einer der wenigen echten Schweizer Spezialitäten unter den roten Sorten macht.