Kalecik Karası trägt den Namen ihrer Heimat: Kalecik, ein Bezirk nordöstlich von Ankara im Tal des Kızılırmak, des längsten Flusses, der ganz in der Türkei verläuft. Kalecik selbst bedeutet «kleine Burg», nach der alten Festung des Städtchens; kara heisst schwarz, und Kalecik Karası ist schlicht «die Schwarze von Kalecik». Der Fluss verschafft dem Tal ein eigenes Mikroklima, und die Reben wachsen auf kiesigen Lehmböden. So ist die Hauptstadt Ankara zugleich die Heimat einer der geschätztesten roten Sorten des Landes.
Fast verschwunden
Im 20. Jahrhundert wäre die Sorte beinahe verschwunden. Reblaus und lange Vernachlässigung hatten nur noch vereinzelte alte Stöcke übrig gelassen. Ab den 1970er-Jahren nahmen Forscher der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Ankara, allen voran Professor Y. Sabit Ağaoğlu, ihre Rettung in Angriff. Sie wählten die besten Reben aus, vermehrten sie durch Klonselektion und brachten die Sorte zu den Winzern von Kalecik zurück. Heute ist sie dort wieder ein wirtschaftliches und kulturelles Aushängeschild.
Im Glas
Farbe und Gaumen dieser Sorte auf den Skalen, nach denen Weinprofis degustieren: Jede Spanne reicht vom leichtesten bis zum reichsten typischen Wein.
- Farbe
- blasses Rubinrot
- Süsse
- trocken
- Säure
- mittel
- Tannin
- niedrig bis mittel(−)
- Alkohol
- mittel
- Körper
- mittel(−) bis mittel
- Intensität
- mittel bis mittel(+)
Ähnlich im Glas ZweigeltGamayÖküzgözü
Stufen nach dem Degustationsraster des Wine & Spirit Education Trust (WSET Level 3, 2022). Typische Spannen, keine Messwerte: Lage, Jahrgang und Keller verschieben jeden Wein. Alkohol niedrig heisst unter 11 %, hoch ab 14 %; Intensität ist, wie viel Geschmack der Wein hat. Die Farbe ist die einer typischen Flasche im Trinkalter.
Die Nachbarn im Glas
Kalecik Karası unter den roten Sorten nach Säure und Tannin. Farbig und verbunden: die drei Sorten, die über alle sechs Skalen am nächsten liegen; benannt sind auch die fünf meistangebauten.
- Kalecik Karası
- Die drei nächsten
- Übrige Sorten
Über alle sechs Skalen
Gefüllt die Sorte dieser Seite, als Linie die Nachbarsorte. Die Nähe ist der mittlere Abstand der Spannen auf allen sechs Skalen; auf nur zwei Skalen kann ein Nachbar weiter weg wirken. Quelle: Weinquiz nach dem Degustationsraster des WSET.
Seit ihrer Wiederbelebung hat sich Kalecik Karası weit über das heimische Tal hinaus verbreitet: nach Kappadokien und in andere Teile Zentralanatoliens, auf die Hochflächen von Denizli im ägäischen Hinterland, wo ähnliche Bedingungen herrschen, und bis nach Thrakien. So verbindet der Kızılırmak zwei Weingegenden: Flussaufwärts fliesst er durch Avanos im Herzen Kappadokiens. Viele türkische Kellereien führen heute eine Kalecik Karası.
Ein Vergleich mit Pinot Noir
Der Wein ist leicht bis mittelgewichtig und rubinrot, mit Duft nach Erdbeere, Himbeere und roter Kirsche, weichen Tanninen und mässiger Säure. Das hat ihm den häufigen Vergleich mit Pinot Noir eingetragen. Die meisten Weine sind für den jungen Genuss gemacht; im Eichenfass ausgebaut, nehmen sie Noten von Vanille und Kakao an. Dank ihrer hellen Farbe und frischen Frucht eignet sich die Sorte gut für blasse, nach Erdbeere und Himbeere duftende Rosés, und in Kalecik entsteht daraus auch Schaumwein nach traditioneller Methode.
Weltweit
- 704Hektaren tragende Reben weltweit, 2016
- Nr. 318unter 1 589 Rebsorten für WeinAngebaut in einem einzigen Land.
Nach Ländern
Die Türkei hat zuletzt Zahlen für 2016 gemeldet. Tragende Rebfläche um 2023, nach dem letzten Jahr, das jedes Land gemeldet hat, gerundet. Quelle: Anderson, Nelgen und Puga, Universität Adelaide (2026).
Zu Pide und Lammkoteletts
In der Türkei trinkt man Kalecik Karası zu Pide, dem schiffchenförmigen Fladenbrot mit Fleisch oder Käse, zu Fleisch in Tomatensauce und zu grillierten Lammkoteletts; der Rosé passt zu Meze. Anderswo begleitet der Wein, was man auch zu einem leichten Pinot Noir oder einem Gamay servieren würde: Brathähnchen, Kalb, Pilzgerichte oder Aufschnitt. Den Roten serviert man leicht gekühlt, bei etwa 16 Grad, damit die Frucht frisch bleibt.