Rebsorte
Zinfandel
Zinfandel, in Apulien Primitivo: kalifornische Ikone mit Wurzeln an der Adria, DNA-Beweis, Stil, Anbaugebiete und passende Gerichte.
- Farbe
- Rot; als White Zinfandel auch ein roséfarbener Wein
- Herkunft
- Adriaküste (Kroatien oder Montenegro, umstritten): DNA-identisch mit Crljenak Kaštelanski, Tribidrag und Kratošija; in Apulien als Primitivo
- Hauptanbaugebiete
- Kalifornien (Lodi, Sonoma, Paso Robles, Amador County, Napa), Apulien (Primitivo di Manduria)
- Typische Aromen
- Brombeere, Himbeere, schwarzer Pfeffer, Nelke; kräftig und alkoholreich
- Klassisch dazu
- Barbecue und Spareribs, Burger, Pizza, Pasta mit Fleischsauce
- Synonyme
- Primitivo (Italien), Crljenak Kaštelanski und Tribidrag (Kroatien), Kratošija (Montenegro)
In Kalifornien galt Zinfandel als «mystery grape»: Jahrzehntelang wusste niemand, woher die Sorte kam. Die Antwort lieferte die DNA. In den 1990er-Jahren zeigte sich zuerst, dass der apulische Primitivo und der kalifornische Zinfandel dieselbe Rebe sind. Dann fand 2001 ein Team um Carole Meredith von der University of California in Davis gemeinsam mit kroatischen Forschern in Dalmatien bei Kaštela, nahe Split, einige Reben einer fast ausgestorbenen Sorte, Crljenak Kaštelanski, genetisch identisch mit Zinfandel. Auch die ältere dalmatinische Bezeichnung Tribidrag, schon im 15. Jahrhundert belegt, meint dieselbe Rebe.
Wo die Sorte entstanden ist, ist umstritten: In Montenegro wächst unter dem Namen Kratošija dieselbe Rebe, und Untersuchungen der genetischen Vielfalt sprechen eher für Montenegro, während kroatische Forscher gute historische Hinweise auf Dalmatien sehen. Sicher ist, dass sie ein Elternteil des Plavac Mali ist, der wichtigsten roten Sorte der dalmatinischen Küste; der andere Elternteil ist Dobričić, eine alte Sorte von der Insel Šolta. Nach Amerika gelangte sie in den 1820er-Jahren über Baumschulen an der Ostküste; in den frühen 1830er-Jahren wurden in Boston Reben unter dem Namen «Zinfindal» angeboten, und mit dem Goldrausch der 1850er-Jahre kam die Rebe nach Kalifornien, wo sie heute zu den wichtigsten Sorten des Staates zählt.
Zinfandel ist eine Sorte mit Charakter. Die Trauben reifen ungleichmässig: In derselben Traube hängen halb eingetrocknete Beeren neben noch grünen, und der Zucker steigt hoch, sodass die Weine oft 14 bis 16 Prozent Alkohol erreichen. Kalifornien hat rund 14 000 Hektaren (gut 34 000 Acres), mehr als ein Drittel davon im San Joaquin County um Lodi, wo einige der ältesten Reben des Staates wachsen. Im Dry Creek Valley in Sonoma wird der Wein oft frisch und fruchtig, in Amador County breit und marmeladig, in Paso Robles weich und rund. Eine Sonderrolle spielt White Zinfandel: ein süsslicher Rosé, 1975 aus einer steckengebliebenen Gärung bei Sutter Home entstanden und danach sehr beliebt geworden.
In Italien wurde aus dem Zinfandel der Primitivo, benannt nach primativus, «früh»: Die Sorte reift früh. In Apulien wird sie spätestens seit dem 19. Jahrhundert angebaut. Primitivo di Manduria aus der Gegend von Taranto ist dicht, dunkel und kräftig; es gibt ihn auch als süssen Dolce Naturale mit DOCG, und Gioia del Colle hat eine eigene DOC. In den USA werden Zinfandel und Primitivo getrennt etikettiert, obwohl die Reben genetisch zusammengehören; Wuchskraft und Traubengrösse der Klone unterscheiden sich. Die würzigen, fruchtbetonten Weine passen zu Barbecue, Burgern, Pizza und Pasta mit Fleischsauce, ein kräftiger Primitivo zu Grillfleisch, Lamm und starkem Käse.