Rebsorte

Verdejo

Verdejo, die Weisse aus Rueda: Herkunft, Kastilien und León, frische kräuterige Weine mit leicht bitterem Abgang, Regeln und passende Gerichte.

Farbe
Weiss
Herkunft
Kastilien und León; wohl Kreuzung aus Savagnin und Castellana Blanca (wenige DNA-Marker)
Hauptanbaugebiet
Rueda (Provinzen Valladolid, Segovia und Ávila), wo Verdejo den grössten Teil der Reben stellt
Typische Aromen
Fenchel, frisch gemähtes Gras, Kräuter, Zitrus, weisser Pfirsich; leicht bitterer Abgang
Klassisch dazu
Fisch und Meeresfrüchte, Spargel, Ziegenkäse, Tapas
Etikettenregel
«Rueda Verdejo»: mindestens 85 Prozent Verdejo; «Rueda»: mindestens 50 Prozent Verdejo und Sauvignon Blanc

Verdejo ist die weisse Sorte von Rueda, einem Gebiet auf der kastilischen Hochebene südlich von Valladolid, und eine Sorte, die sich ihren Ruf erst in den letzten fünfzig Jahren aufgebaut hat. Das Gebiet liegt auf rund 700 Metern über Meer, im Süden der Provinz Valladolid und mit Ausläufern in die Provinzen Segovia und Ávila. Die Winter sind lang und kalt, die Sommer heiss und trocken, die Böden steinig und kiesig.

Der Überlieferung nach brachten mozarabische Siedler die Sorte im 11. Jahrhundert aus Nordafrika, als das Duero-Becken unter Alfons VI. neu besiedelt wurde. Genetische Analysen deuten dagegen auf eine Kreuzung aus Savagnin und der spanischen Sorte Castellana Blanca hin, also eher auf einen europäischen Ursprung; sie beruhen allerdings auf wenigen Markern. Lange machte Rueda vor allem oxidierte, sherryartige Weine, grösstenteils aus Palomino, und Verdejo war gegenüber Palomino und Viura ins Hintertreffen geraten. In den 1970er-Jahren zeigte das Rioja-Weingut Marqués de Riscal zusammen mit dem Bordelaiser Önologen Émile Peynaud, dass aus Verdejo ein frischer, aromatischer Weisswein entstehen kann, wenn man ihn kühl vergärt. 1980 erhielt Rueda den Status einer Denominación de Origen, als erste in Kastilien und León.

Im Rebberg ist Verdejo eine Sorte der Extreme. Die Trauben reifen bei grossen Temperaturgegensätzen zwischen Tag und Nacht, was die Säure erhält. Weil die Beeren leicht oxidieren, liest man sie oft nachts oder im Morgengrauen, damit sie kühl in den Keller kommen. Ein Teil der alten Rebberge, vor allem auf sandigen Böden, steht auf eigenen Wurzeln. Viele Stöcke werden noch als niedrige Büsche gezogen (Vaso), und das Reglement begrenzt die Erträge.

Der Wein ist blass grünlich-gelb, trocken und frisch, mit lebhafter Säure und gutem Körper. Typisch sind Fenchel, frisch gemähtes Gras, Kräuter, Zitrusfrüchte und weisser Pfirsich, im Abgang ein leicht bitterer Zug, den die Appellation selbst als charakteristisch beschreibt. Verdejo wird meist im Stahltank ausgebaut; Hefelager oder Fass geben Fülle, und die Weine können einige Jahre altern und werden dann nussig und honigartig. Daneben entstehen Schaumweine nach der traditionellen Methode.

Die Regeln sind einfach: Ein Wein mit der Bezeichnung «Rueda Verdejo» muss mindestens 85 Prozent Verdejo enthalten, ein schlichter «Rueda» nur mindestens 50 Prozent aus den Hauptsorten Verdejo und Sauvignon Blanc, der Rest ist oft Viura; «Rueda Sauvignon» braucht 85 Prozent Sauvignon Blanc. Verdejo erinnert in seiner kräuterigen, zitrischen Frische an Sauvignon Blanc, hat aber mehr Körper. Er passt zu Fisch und Meeresfrüchten, zu Spargel, Salaten, Ziegenkäse und zu den Tapas, die in Kastilien den Apéro ausmachen.

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