Rebsorte

Marsanne

Marsanne, im Wallis Ermitage: die weisse Rebe von Hermitage und Saint-Joseph. Herkunft, Verwandtschaft mit Roussanne, Walliser Rolle, Stil, Speisen.

Farbe
Weiss
Herkunft
Nördliche Rhône; Eltern-Nachkommen-Verhältnis mit der Roussanne, Richtung offen
Hauptanbaugebiete
Hermitage, Crozes-Hermitage, Saint-Joseph, Saint-Péray; Wallis; Victoria (Australien)
Typische Aromen
Weisser Pfirsich, Birne, leichte Würze; mit Reife Quitte, Honig, Nuss
Klassisch dazu
Geflügel und Kalbsbries in Rahmsauce, Hartkäse, Kürbissuppe; süss zu Gänseleber
In der Schweiz
Ermitage im Wallis: knapp 40 Hektaren (2025), praktisch alle dort

Marsanne ist die weisse Hauptsorte der nördlichen Rhône: füllig, mild in der Säure, leise in der Aromatik, aber fähig, über Jahre an Tiefe zu gewinnen. Sie stammt aus dem Rhônetal und ist eng mit der Roussanne verwandt; DNA-Studien zeigen ein Eltern-Nachkommen-Verhältnis, wobei offen ist, welche der beiden die Elternsorte ist. Die beiden werden deshalb oft zusammen gepflanzt und vinifiziert: Die Marsanne bringt Körper und Fülle, die Roussanne mehr Aroma und Frische.

An der Rhône ist Marsanne die meistangebaute weisse Sorte der Appellation Hermitage, des Hügels über Tain-l’Hermitage, rund 140 Hektaren, die vor allem dem roten Syrah gehören. Der Name geht der Legende nach auf einen Ritter zurück, der 1224 verwundet vom Albigenserkreuzzug heimkehrte und sich als Einsiedler auf dem Hügel niederliess. Die weissen Hermitage, Crozes-Hermitage und Saint-Joseph werden aus Marsanne und Roussanne gekeltert; in den Rotweinen sind kleine Anteile der beiden erlaubt, bis zu 15 % im Hermitage und bis zu 10 % im Saint-Joseph. In Saint-Péray machen die beiden Stillweine und Schaumweine.

Im Glas ergibt Marsanne einen kräftig gelben Wein, rund und reich, mit weissem Pfirsich, Birne und leichter Würze und einer öligen Textur. Mit dem Alter wird er dunkler und konzentrierter und entwickelt Quitte, Honig und Nuss. Die Sorte braucht Wärme, aber nicht zu viel: An einem zu heissen Standort wird der Wein breit und schwer, an einem zu kühlen belanglos.

In der Schweiz wächst Marsanne praktisch nur im Wallis, wo sie Ermitage heisst. Sie kam Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem Rhônetal nach Sitten, nach Angaben von Swiss Wine Promotion um 1845, und behielt den Namen des berühmten Hügels. Nach der Bundesstatistik 2025 stehen im Land knapp 40 Hektaren Marsanne, fast alle im Wallis, dazu wenige Hektaren Roussanne. Die späte, wüchsige Sorte braucht gute, trockene Lagen und streng begrenzte Erträge. Der Ermitage ist trocken oder in manchen Jahren süss aus spät gelesenen Trauben; er erinnert an Honig, Quitte, Aprikose und Himbeerbrand und altert gut.

Ausserhalb der Rhône und des Wallis findet man Marsanne vor allem in Victoria in Australien, wo sie seit den 1860er-Jahren wächst. Zu trockenem Ermitage passen Geflügel und Kalbsbries in Rahmsauce, Hartkäse und Kürbissuppe, zur süssen Walliser Version Gänseleber. Der Walliser Ermitage wird bei 8 bis 10 Grad serviert.

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