Rebsorte
Viognier
Viognier: duftende Rebe der nördlichen Rhône, bekannt aus Condrieu und als Beigabe in der Côte-Rôtie. Herkunft, Stil, Verbreitung und Speisen.
- Farbe
- Weiss
- Herkunft
- Nördliche Rhône; laut DNA-Analysen eng verwandt mit Freisa aus dem Piemont
- Hauptanbaugebiete
- Condrieu, Château-Grillet, Côte-Rôtie (Rhône), Languedoc, Kalifornien, Australien
- Typische Aromen
- Aprikose, Pfirsich, Veilchen, weisse Blüten; voller Körper, wenig Säure
- Klassisch dazu
- Geflügel in Rahmsauce, Jakobsmuscheln, milde asiatische Currys
- In der Schweiz
- Rund 58 Hektaren (2025), verteilt auf viele Kantone, in keinem mehr als rund 20
Viognier ist eine der wenigen weissen Sorten, die man blind am Duft erkennt: Aprikose, Pfirsich, Veilchen und weisse Blüten, dazu ein voller, öliger Körper mit wenig Säure und oft viel Alkohol. Die Heimat der Sorte ist die nördliche Rhône, ihre genaue Herkunft aber unklar; die Legende vom römischen Kaiser Probus ist nicht belegt. DNA-Analysen zeigen eine enge Verwandtschaft mit Freisa aus dem Piemont; damit ist Viognier ein genetischer Cousin des Nebbiolo. An der nördlichen Rhône wächst er neben dem Syrah.
In den 1960er-Jahren stand die Sorte kurz vor dem Verschwinden: In Condrieu waren nur noch wenige Hektaren übrig. Der Anbau ist schwierig, die Erträge sind klein und unregelmässig, und die Trauben müssen sehr reif geerntet werden, damit das Aroma zur Geltung kommt. Erst der wachsende Ruf von Condrieu seit den 1970er-Jahren und das Interesse aus Übersee gaben ihr eine Zukunft. Condrieu liegt am rechten Rhôneufer südlich von Vienne, auf steilen Granithängen, und darf nur Viognier enthalten. Die Appellation umfasst rund 200 Hektaren; mittendrin liegt Château-Grillet, mit gut drei Hektaren eine der kleinsten Appellationen Frankreichs, ebenfalls reiner Viognier. Die Weine sind heute meist trocken, seltener süss aus spät gelesenen Trauben, und trinkt man am besten jung.
Eine Nebenrolle spielt Viognier in der Côte-Rôtie, wenige Kilometer weiter nördlich: Dem roten Syrah dürfen bis zu 20 % Viognier beigegeben werden, die Trauben werden gemeinsam vergoren. In der Praxis sind es meist nur wenige Prozent; die weisse Traube bringt dem Rotwein Duft. Die Reben stehen dort auf sehr steilen, von Steinmauern gestützten Terrassen über dem Fluss.
Die Sorte hat die Rhône weitgehend verlassen. Heute wird sie häufig im Languedoc angebaut, in Kalifornien und in Australien, wo das Weingut Yalumba im Eden Valley zu den Pionieren zählt, ausserdem in Südafrika, Argentinien und Chile. In der Schweiz sind es laut Bundesstatistik 2025 rund 58 Hektaren, verteilt auf viele Kantone, in keinem mehr als rund 20 Hektaren.
Viognier ist kein zurückhaltender Wein. Er gewinnt mit voller Reife, bleibt aber fast ohne Säure, weshalb er jung am besten schmeckt, in den ersten Jahren; Holzfass und alte Reben machen Ausnahmen. Die blumigen Aromen verblassen bei den meisten Weinen nach etwa drei Jahren. Seine Fülle verlangt Gerichte mit Gewicht: Geflügel und Kalb in Rahmsauce, Jakobsmuscheln, milde Käse und aromatische asiatische Küche, etwa milde Currys.