Rebsorte
Silvaner
Silvaner heisst im Wallis Johannisberg: rund 330 Hektaren, fast alle im Rhonetal, Hochburg Chamoson. Herkunft, Charakter, Spargel und andere Gerichte.
- Farbe
- Weiss
- Herkunft
- Österreich; natürliche Kreuzung aus Savagnin (Heida) und Österreichisch Weiss
- Anbau in der Schweiz
- Rund 330 Hektaren, zu 99 Prozent im Wallis, vor allem in Chamoson
- Typische Aromen
- Birne, Apfel, Mandel, Lindenblüte; reif auch Ananas
- Klassische Kombination
- Walliser Spargel, Apéro, Fisch, Kalbfleisch
- Synonym
- Johannisberg, Gros Rhin (Wallis); Sylvaner (Elsass)
Silvaner ist eine der grossen Weissweinsorten Mitteleuropas, die Traube Frankens und des Elsass. Genetisch ist sie eine natürliche Kreuzung aus Savagnin und Österreichisch Weiss, einer alten, heute fast verschwundenen Sorte; ihre Heimat liegt damit in Österreich. Für Schweizer Weintrinker hat das eine hübsche Pointe: Savagnin ist dieselbe Traube, die im Wallis als Heida oder Païen wächst. Silvaner und Heida sind also nahe Verwandte, die im selben Tal nebeneinander stehen.
Ins Rhonetal kam die Sorte Mitte des 19. Jahrhunderts, und sie bekam dort einen eigenen Namen. Johannisberg heisst sie nach dem berühmten Rheingauer Weingut Schloss Johannisberg, obwohl dort Riesling wächst und nicht Silvaner. Daneben nannte man sie Gros Rhin, im Gegensatz zum Petit Rhin, dem Riesling. Beide Namen zeigen, dass die Walliser die Sorte als Rheinwein betrachteten. Heute stehen rund 330 Hektaren in der Schweiz, zu 99 Prozent im Wallis, wo Johannisberg nach dem Chasselas die zweitwichtigste weisse Traube ist. Hochburg ist Chamoson, die grösste Weinbaugemeinde des Kantons, am Fuss des Haut de Cry: Auf dem leichten, kalkhaltigen Schuttkegel reift die Sorte besonders zuverlässig, und das Dorf nennt sich mit Recht die Heimat des Johannisberg.
Im Glas ist Johannisberg ein freundlicher, runder Wein: Birne, Apfel, Lindenblüte und Mandel in der Nase, am Gaumen eher wenig Säure, ein voller Körper und ein feiner bitterer Mandelton im Abgang, der ihn vom Fendant unterscheidet. In reifen Jahren kommen Noten von Ananas hinzu. Die meisten Weine werden trocken ausgebaut und jung getrunken; die besten Lagen reifen aber erstaunlich gut und bringen nach zehn oder mehr Jahren Honig und Haselnuss ins Spiel. Spät gelesen eignet sich die Sorte auch für Süsswein und darf unter der Charta Grain Noble ConfidenCiel als Flétri ausgebaut werden.
Der klassische Partner ist Spargel: Im Frühling, wenn die ersten Walliser Spargeln geerntet werden, gehört ein Glas Johannisberg dazu, weil sein leichter Bitterton und seine Milde zum Gemüse passen, wo säurebetonte Weine scheitern. Daneben ist er ein idealer Apérowein und begleitet Süsswasserfisch, Kalbfleisch und milde Käse. Serviert wird er bei 10 bis 12 Grad.
Ausserhalb des Wallis ist die Sorte in der Schweiz kaum zu finden; in der Waadt stehen ein paar Hektaren, in der Deutschschweiz fast nichts. Wer Silvaner kennt, sollte Johannisberg trotzdem probieren: Das trockene, sonnige Walliser Klima macht aus der oft neutralen Traube einen fülligeren, wärmeren Wein als in Franken.