Rebsorte

Räuschling

Räuschling: die alte Weisse vom Zürichsee, frisch und zitrusbetont, im 20. Jahrhundert fast verschwunden. Herkunft, Charakter, Winzer und Gerichte.

Farbe
Weiss
Herkunft
Alte Sorte vom Oberrhein, 1546 erstmals erwähnt; natürliche Kreuzung aus Gouais Blanc und Savagnin
Anbau in der Schweiz
Rund 30 Hektaren, fast alles am Zürichsee und im Kanton Zürich
Typische Aromen
Zitrone, Limette, grüner Apfel, weisse Blüten
Klassische Kombination
Felchen und Egli aus dem See, Fischknusperli, Quiche
Synonym
Zürirebe

Räuschling ist die Sorte, die Zürich einmal fast allein getragen hat. Sie stammt nicht aus der Schweiz, sondern vom Oberrhein: 1546 wird sie in der Gegend von Landau in der Pfalz erstmals erwähnt und war im 16. und 17. Jahrhundert in Württemberg, im Elsass und in der Nordschweiz weit verbreitet. Genetisch gilt sie als natürliche Kreuzung aus Gouais Blanc und Savagnin, zwei Sorten, die im Mittelalter halb Europa bepflanzten und auch hinter Chardonnay, Riesling und vielen anderen stehen. Ihr Name wird auf das Rauschen des dichten Laubs im Wind zurückgeführt.

In ihrer Heimat ist die Sorte praktisch verschwunden. Überlebt hat sie am Zürichsee, wo sie bis ins 19. Jahrhundert die wichtigste weisse Traube war, und in kleinen Beständen in den Kantonen St. Gallen und Schwyz. Im 20. Jahrhundert wäre sie beinahe ebenfalls untergegangen: Ihre hohe Säure und die bescheidenen Erträge machten sie gegenüber dem ertragreichen, früh reifenden Müller-Thurgau unattraktiv, und bis in die 1980er Jahre blieben nur noch wenige Hektaren übrig. Dass es heute wieder rund 30 Hektaren sind, verdankt sie ein paar beharrlichen Winzerfamilien am rechten Seeufer, zwischen Küsnacht, Meilen und Stäfa, die den Räuschling als Zürcher Spezialität neu positioniert haben.

Im Glas ist Räuschling hell, leicht und knackig: Zitrone, Limette, grüner Apfel und weisse Blüten in der Nase, am Gaumen eine lebhafte, manchmal schneidende Säure und ein schlanker Körper, meist mit wenig Alkohol. Jung getrunken ist er ein Wein für den Sommer und den Apéro am See. Die besten Lagen zeigen aber auch, dass die Sorte reifen kann: Nach einigen Jahren in der Flasche bekommt sie Noten von Honig und Petrol und erinnert mehr und mehr an einen gereiften Riesling.

Zu Räuschling gehört Fisch aus dem See: Felchen oder Egli, Fischknusperli, aber auch eine Quiche, Blätterteiggebäck oder Meeresfrüchte. Serviert wird er gut gekühlt bei 8 bis 10 Grad.

Wer die Sorte sucht, findet sie bei den Weinbaubetrieben am Zürichsee, in Weinbars in Zürich und vereinzelt in den Kantonen St. Gallen, Schwyz und Schaffhausen, wo einzelne Winzer ebenfalls Räuschling pflegen. Zu jeder Zürcher Weinsorten-Degustation gehört er inzwischen dazu, und wer ihn mit einem Müller-Thurgau vergleicht, versteht in einem Schluck, warum er fast verschwunden wäre und warum er zurückgekommen ist.

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