Rebsorte

Sémillon

Sémillon: die Traube hinter Sauternes und den weissen Bordeaux, in Australiens Hunter Valley ein schlanker, langlebiger Klassiker.

Farbe
Weiss
Herkunft
Bordeaux; die Eltern sind nicht geklärt, genetisch nah am Sauvignon Blanc
Hauptanbaugebiete
Bordeaux (Sauternes, Barsac, Graves), Australien (Hunter Valley, Margaret River, Barossa)
Typische Aromen
Zitrone, Wachs, Lanolin; gereift Toast, Honig, Marmelade; als Süsswein Aprikose und kandierte Früchte
Klassisch dazu
Sauternes: Gänseleber, Roquefort; trockener Hunter-Sémillon: Meeresfrüchte, Fisch
Synonyme
Hunter River Riesling (Australien, früher), Groendruif (Südafrika, früher)

Sémillon ist die Traube der edelsüssen Weine von Sauternes und zugleich die Grundlage australischer Trockenwein-Klassiker: zwei Welten aus einer Sorte. Sie stammt aus der Gegend von Bordeaux, wo sie seit Jahrhunderten angebaut wird. Ihre Eltern sind nicht geklärt, genetisch steht sie dem Sauvignon Blanc nahe. Die Beeren haben eine dünne Haut; jung bleibt die Sorte zurückhaltend, mit Zitrone und Gras, bringt aber Gewicht, eine wachsartige Textur und viel Lagerfähigkeit mit.

Die dünne Haut macht Sémillon anfällig für Botrytis cinerea, die Edelfäule. In Sauternes und Barsac, wo im Herbst die Feuchte des Flüsschens Ciron den Pilz begünstigt, ist das ein Segen: Er entzieht den Beeren Wasser und konzentriert Zucker, Säure und Aromen. In den meisten Gütern bildet Sémillon den grössten Teil des Verschnitts, ergänzt durch Sauvignon Blanc für Frische und etwas Muscadelle. Die Weine duften nach Aprikose, Honig und kandierten Früchten und reifen Jahrzehnte. Château d’Yquem ist das einzige Gut, das in der Klassifikation von 1855 den Rang Premier Cru Supérieur trägt.

Auch trockene Weine entstehen in Bordeaux, vor allem in Graves und Pessac-Léognan, meist als Verschnitt mit Sauvignon Blanc. Sémillon gibt dort Körper und Fülle, Sauvignon Blanc Frische und Duft; im Barrique ausgebaut werden diese Weine reich und langlebig.

Die zweite Heimat ist Australien. Im Hunter Valley in New South Wales, nördlich von Sydney, wird die Sorte seit dem 19. Jahrhundert angebaut, und lange wurde sie fälschlich als Riesling bezeichnet: Hunter River Riesling. Die klassischen Weine werden früh gelesen, bleiben mit oft nur rund 11 % Alkohol leicht und kommen ohne neues Holz aus. Jung sind sie schlank, zitronig und fast neutral; nach fünf bis zehn Jahren in der Flasche entwickeln sie Toast, Honig und Marmelade, ohne je ein Fass gesehen zu haben. In Margaret River in Westaustralien ist der Verschnitt aus Semillon und Sauvignon Blanc ein Gebietsstil, und im Barossa stehen alte Reben, aus denen frische, trockene Weine entstehen, teils mit etwas Holzausbau. Auch am Kap war die Sorte einst dominant: Als Groendruif stellte sie im frühen 19. Jahrhundert den grössten Teil der Reben, heute sind es nur noch rund ein Prozent.

Am Tisch hängt vieles vom Stil ab. Junger, trockener Hunter-Sémillon passt zu Austern, Krustentieren und gegrilltem Fisch, gereifter zu Huhn und Kalb in Rahmsauce. Weisser Bordeaux mit Holzausbau passt zu Geflügel und Fisch in Butter; Sauternes zu Gänseleber, Roquefort oder Fruchtdesserts.

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