An jedem Apéro sagt es jemand: Eine Flasche Wein koste in der Herstellung weniger als einen Euro. Für den Wein in den billigsten Flaschen stimmt das. In der Woche vom 12. bis 18. Oktober 2026 notierte das spanische Landwirtschaftsministerium Weisswein im Tank zu 43,47 Euro pro Hektoliter und Rotwein zu 51,18 Euro: 33 und 38 Cent für die 75 Zentiliter einer Flasche. Die Trauben kosten noch weniger. Weisse Trauben brachten in La Mancha bei der Ernte 2025 rund 25 Cent das Kilo, meldete der Bauernverband Unión de Uniones. Nach den Regeln der Appellation La Mancha ergeben 100 Kilo Trauben höchstens 74 Liter Wein; eine Flasche braucht also rund ein Kilo. Doch eine Flasche ist mehr als der Wein darin.

Glas, Korken, Steuern

Beim billigsten Wein kostet schon die leere Flasche fast so viel wie ihr Inhalt: rund 25 Cent im Bordelais und bis zu einem Euro in der Champagne, schrieb die französische Konsumentenzeitschrift Que Choisir 2023. Dazu kommen Korken, Etikette, Karton, Transport, Margen und Steuern. In Grossbritannien rechnete der Weingrosshändler Bibendum 2025 vor, dass von den 7,07 Pfund einer durchschnittlichen Flasche nur 62 Pence auf die Herstellung des Weins entfallen. Die Schweiz erhebt auf Wein keine Alkoholsteuer, nur 8,1 Prozent Mehrwertsteuer, und viel importierter Wein reist ohne Glas: Von 130 Millionen Litern eingeführtem Rot- und Weisswein kamen 2025 laut Bundesamt für Landwirtschaft 49 Millionen als Offenwein.

Zum Angeben am Apéro

Im Bordelais kostet eine leere Weinflasche rund 25 Cent, spanischer Fasswein für eine Flasche 33 bis 38 Cent: Beim billigsten Wein ist das Glas fast so teuer wie der Inhalt.

Die Rechnung ab Hof

Auf einem Weingut, das jede Arbeitsstunde bezahlt, auch die der Familie, sieht die Rechnung anders aus. Die Landwirtschaftskammer der Gironde berechnete 2024, dass ein einfacher AOC Bordeaux von einem Gut mit 40 Hektaren mindestens 3,33 Euro pro Flasche kostet, biologisch 3,94 Euro, ein Libournais oder Haut-Médoc bis zu 6,14 Euro; selbst unabgefüllt, im Tank, kostet dieser Bordeaux 1,21 Euro für 75 Zentiliter. Für Sancerre setzt die Kammer des Cher eine Flasche Weisswein mit 5,87 Euro an: 1,97 für die Trauben, 33 Cent für den Keller, 2,18 für Flasche, Korken, Etikette, Karton und Abfüllung, 1,39 für den Verkauf. Die Verpackung kostet mehr als die Trauben.

Im Tank kostet der Wein Cents, abgefüllt ab Hof Euros

Was 75 Zentiliter kosten, in Euro: nur der Wein, unabgefüllt, und die ganze Flasche, wie sie ein Weingut kostet, das jede Arbeitsstunde bezahlt.

Nur der Wein, im Tank

  • Spanien, WeissweinFasswein, 12. bis 18. Oktober 20260,33 €
  • Spanien, RotweinFasswein, 12. bis 18. Oktober 20260,38 €
  • Bordeaux AOCKosten im Tank, 20241,21 €

Die ganze Flasche ab Hof

  • konventionell
  • biologisch, wo die Quelle es angibt

Quellen: spanisches Landwirtschaftsministerium, Wochenbulletin 42/2026; Landwirtschaftskammer der Gironde, Référentiel 2024 (Réussir Vigne, 27. Dezember 2024); Landwirtschaftskammer des Cher, Référentiel 2025–2027. Ein Hektoliter füllt 133 Flaschen, ein Bordelaiser Tonneau von 900 Litern 1 200.

In Sancerre kostet die Verpackung mehr als die Trauben

Eine Flasche Sancerre zu 5,87 €, auseinandergenommen, so wie sie die Landwirtschaftskammer des Cher rechnet.

  • Trauben1,97 €
  • Keller0,33 €
  • Verpackung und Abfüllung2,18 €
  • Verkauf1,39 €

Davon Material Flasche 0,40 € · Korken 0,19 € · Etikette 0,50 € · Karton 0,40 € · Kapsel 0,10 €

Quelle: Landwirtschaftskammer des Cher, Référentiel économique du vigneron 2025–2027; trockener Weisswein, 55 hl/ha, konventionell, ohne Gewinnmarge.

Steile Hänge, teure Kilos

Die Schweiz liegt am teuren Ende. Für die Ernte 2025 setzte die Walliser Branchenorganisation Richtpreise von 3,40 Franken pro Kilo Chasselas und 5,50 Franken für Petite Arvine fest: drei bis fünf Franken Trauben in jeder Flasche. Eine traditionell angelegte Hektare Reben braucht laut Swiss Wine Promotion rund 1 900 Arbeitsstunden im Jahr, doppelt so viele wie eine, in der grosse Maschinen fahren können; Larissa Strub und Simone Mueller Loose fanden in den Arbeitszeiten von fünf deutschen Weingütern, dass ein Steilhang von Hand 2,6-mal so viel kostet wie flaches Land. In der Champagne, wo 4 000 Kilo Trauben höchstens 2 550 Liter ergeben dürfen, setzte der Präfekt der Marne ein Kilo der Ernte 2022 für die Rebpachten mit 6,24 bis 7,87 Euro an: sieben bis neun Euro Trauben pro Flasche. Cabernet Sauvignon aus dem Napa Valley brachte 2025 im Schnitt 8 711 Dollar pro Tonne: nach Kaliforniens Faustregel, Tonnenpreis durch hundert, eine Flasche zu 87 Dollar.

Ein Kilo Trauben: 0,23 Fr. in La Mancha, 3,40 Fr. im Wallis

Was ein Kilo Trauben kostet, rund das, was in einer Flasche steckt, in Franken. Die Walliser Richtpreise in Farbe, die übrige Welt in Grau.

  • La Manchaweisse Trauben, Ernte 20250,23 Fr.0,25 € pro Kilo
  • Kalifornien, Central Valleyalle Sorten, Bezirk 13, Ernte 20250,31 Fr.333,73 $ pro Tonne
  • Wallis · ChasselasRichtpreis, Ernte 20253,40 Fr.
  • Wallis · Pinot NoirRichtpreis, Ernte 20253,60 Fr.
  • Wallis · Petite ArvineRichtpreis, Ernte 20255,50 Fr.
  • ChampagnePreis für die Rebpacht, Ernte 2022, tiefste bis höchste Gemeinde6,27–7,91 Fr.6,24–7,87 € pro Kilo
  • Napa Valley · Cabernet SauvignonDurchschnitt, Ernte 20257,98 Fr.8 710,69 $ pro Tonne
  • Wallis
  • übrige Welt

Quellen: Unión de Uniones; Interprofession de la vigne et du vin du Valais; Präfektur der Marne, Erlass vom 30. Juni 2023; USDA, California Grape Crush Report 2025. In Franken zum Jahresmittel der SNB (2022: 1 € = 1,005 Fr.; 2025: 1 € = 0,937 Fr., 1 $ = 0,831 Fr.); die kalifornische Tonne hat 907 Kilo.

Das Gerücht stimmt also für den Inhalt und nicht für die Flasche. Billig ist Wein, wo flaches Land grosse Ernten trägt und der Wein im Tank reist; teuer, wo Menschen steile Hänge für kleine Ernten von Hand bearbeiten. Die Kosten erklären den Preis einer Alltagsflasche, nicht den der teuersten Weine, die für Knappheit und einen Namen bezahlt werden. Und das Bundesamt für Landwirtschaft nannte in seinem Rückblick auf 2025 als erste Last der Schweizer Betriebe die hohen Produktionskosten, vor dem Absatzrückgang und den vollen Lagern.